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Dünne Luft - Arbeiten auf dem Dach der Welt

  • Autorenbild: Reinhold
    Reinhold
  • 1. März
  • 2 Min. Lesezeit

Als Kind der 60er-Jahre wußte ich natürlich genau, was ich werden wollte: Astronaut! Naja, es wurde mir dann doch bald klar, daß das schwierig werden würde; aber in gewisser Weise habe ich es dann doch fast geschafft: in 5.600 m Höhe ist man halb im Weltall. Zumindest, was den Luftdruck und damit den Sauerstoff, der zur Verfügung steht, angeht; davon ist nur noch die Hälfte da. Und das macht sich bemerkbar: Denken geht durchaus langsamer, und körperliche Aktivität ist anstrengend.


Gut abgesichert gegen Sauerstoffmangel, UV-Strahlung und Anstoßen.
Gut abgesichert gegen Sauerstoffmangel, UV-Strahlung und Anstoßen.

Um diese Effekte abzumildern, muß jeder, der am Teleskop arbeitet, zusätzlichen Sauerstoff über Nasensonden zugeführt bekommen. Das bedeutet, daß man den ganzen Tag mit Sauerstoffflasche auf dem Rücken unterwegs ist. Zusätzlich sind immer zwei Sanitäter mit Krankenwagen vor Ort, und bei der Ankunft und vor der Rückfahrt wird von ihnen der Sauerstoffgehalt im Blut gemessen. Darüber hinaus muß jeder, der in Chile oberhalb von 5.500 m Höhe arbeitet, zuvor eine zertifizierte höhenmdizinische Untersuchung bestehen, die jedes Jahr wiederholt werden muß. Alles das trägt dazu bei, daß ich mich gut abgesichert fühle.


Unsere tägliche Karawane mit Krankenwagen
Unsere tägliche Karawane mit Krankenwagen

Insgesamt hatte ich mit der Höhe in der Vergangenheit keine Probleme. Als ich allerdings im vergangenen September zum ersten Mal nach fast 10 Jahren wieder oben war, ging es mir in den ersten Tagen nicht gut. Das hat mich durchaus erschreckt, und ich machte mir so meine Gedanken: 600 m höher, 10 Jahre älter... Allerdings hatte ich nur wenige Wochen vorher eine Corona-Infektion durchgemacht, und tatsächlich: Dieses Mal geht es mir bisher gut.


Mobile Arbeit 1: Mein Kollege Volker überprüft eine Kamera
Mobile Arbeit 1: Mein Kollege Volker überprüft eine Kamera

Neben dem reduziertem Sauerstoff ist die intensive UV-Strahlung ein Risiko, vor dem man sich allerdings gut schützen kann. Es gilt, jeden Teil des Körpers, der nicht unbedingt der Sonnenstrahlung ausgesetzt sein muß, zu bedecken, und den Rest mit Sonnencreme und Lippenstift mit Lichtschutzfaktor 50 zu schützen. Eine Gleschterbrille zum Schutz der Augen ist Pflicht.


Im Gegensatz zu den Arbeitern, die hier am Teleskop den ganzen Tag im Freien arbeiten, habe ich einen recht einfachen, aber geschützen Arbeitsplatz in einem der Container, die hier aufgebaut sind. Trotzdem geht es immer wieder ins Freie, um dort unter recht improvisierten Bedingungen an diversen Geräten, die wir überwachen und steuern müssen zu arbeiten. Der Laptop muß dann schon mal auf dem Boden oder im schlimmsten Fall im Dreck aufgebaut werden.


Mobile Arbeit 2: So stellt man sich das vor!
Mobile Arbeit 2: So stellt man sich das vor!

Allerdings arbeite ich nicht jeden Tag in der Höhe, in der vergangenen Woche ging es nur an drei Tagen nach oben, drei Tage habe ich im APEX-Basecamp gearbeitet. Hier sind die Bedingungen natürlich um einiges angenehmer...


Zwischendurch gibt es immer wieder die Gelegenheit, die grandiose Aussicht zu geniessen.
Zwischendurch gibt es immer wieder die Gelegenheit, die grandiose Aussicht zu geniessen.

 
 
 

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